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Brandschutz in Lüftungsanlagen

Brandschutzklappen: Funktion, Aufbau und Prüfpflichten

Wie eine Brandschutzklappe Feuer und Rauch im Lüftungskanal aufhält, woraus sie besteht und was Betreiber über Klassen, Vorschriften und Prüfintervalle wissen sollten.

Funktion

Wie verhindert eine Brandschutzklappe, dass sich Feuer und Rauch ausbreiten?

Ein Gebäude ist in Brandabschnitte geteilt. Die Wände und Decken dazwischen müssen Feuer und Rauch eine festgelegte Zeit lang aufhalten, zum Beispiel 90 Minuten. Eine Lüftungsanlage verbindet aber gerade diese Abschnitte. Führt ein Lüftungskanal ohne Absperrung durch eine solche Wand, dann ziehen Brandgas und Rauch durch den Kanal in den nächsten Abschnitt und treten dort aus den Luftauslässen aus.

Die Brandschutzklappe sitzt deshalb dort, wo der Kanal die Wand oder Decke durchdringt. Im Betrieb steht sie offen und lässt die Luft durch. Im Brandfall schließt sie und stellt den Raumabschluss der Wand wieder her.

Die Musterbauordnung verlangt das in § 41: Lüftungsleitungen dürfen raumabschließende Bauteile, für die eine Feuerwiderstandsfähigkeit vorgeschrieben ist, nur überbrücken, wenn eine Brandausbreitung ausreichend lang nicht zu befürchten ist oder wenn Vorkehrungen hiergegen getroffen sind. Die Brandschutzklappe ist diese Vorkehrung.

Sie schützt nur, wenn sie im Ernstfall tatsächlich schließt. Staub, Korrosion oder ein schwergängiges Klappenblatt verhindern das, ohne dass es im laufenden Betrieb auffällt.

Lüftungskanal durch eine Brandwand zwischen zwei Brandabschnitten, mit einer Brandschutzklappe in der Wand Brandschutzklappe Brandabschnitt 1 Brandabschnitt 2

Die Klappe steht offen, der Kanal verteilt den Rauch in Brandabschnitt 2.

Aufbau

Wie ist eine Brandschutzklappe aufgebaut?

Brandschutzklappen gibt es rund und eckig, klein und groß, von vielen Herstellern. Das Prinzip ist bei allen gleich.

Das Gehäuse (1) sitzt in der Wand oder Decke und ist an beiden Seiten mit dem Lüftungskanal verbunden. In seinem Inneren dreht sich das Klappenblatt (2) um eine Achse. Offen steht es längs zum Luftstrom, geschlossen quer dazu. Im geschlossenen Zustand liegt es an Dichtungen (3) an, die den Durchtritt von Rauch begrenzen.

Die Auslöseeinrichtung (4) hält das Klappenblatt offen und gibt es im Brandfall frei. Das ist entweder ein Schmelzlot, das bei einer festgelegten Temperatur schmilzt, oder ein Federrücklaufantrieb, den ein Rauchmelder oder die Brandmeldeanlage auslöst.

Durch die Revisionsöffnung (5) sieht der Prüfer in das Gehäuse. Durch sie reinigt er das Klappenblatt und prüft Dichtungen und Auslöseeinrichtung.

Schematischer Längsschnitt einer Brandschutzklappe in einer Wand: 1 Gehäuse, 2 Klappenblatt, 3 Dichtung, 4 Auslöseeinrichtung, 5 Revisionsöffnung Lüftungskanal Lüftungskanal Wand 1 2 3 4 5

Das Klappenblatt steht offen längs zum Luftstrom, die Luft strömt durch die Klappe.

  1. Gehäuse
  2. Klappenblatt
  3. Dichtung
  4. Auslöseeinrichtung
  5. Revisionsöffnung mit Deckel

Auslösung

Wann löst eine Brandschutzklappe aus?

Die meisten Brandschutzklappen lösen thermisch aus. Ein Schmelzlot hält das Klappenblatt gegen die Kraft einer Feder offen. Erreicht die Luft im Kanal die Auslösetemperatur, dann schmilzt das Lot, und die Feder schließt die Klappe. Üblich sind 72 °C.

Ein Brand erzeugt aber Rauch, lange bevor es heiß wird. In der Entstehungsphase ist der Rauch noch kalt, breitet sich jedoch schon aus und ist giftig. Gegen diesen Kaltrauch hilft das Schmelzlot nicht. Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts zeigen: Ein Schmelzlot mit 72 °C löst erst aus, wenn es mindestens zehn Minuten lang von Brandrauch mit mindestens 160 °C umströmt wird. Bis dahin kann der Lüftungskanal den Rauch schon in andere Brandabschnitte verteilt haben.

Schneller schließt eine Brandschutzklappe mit Rauchauslöseeinrichtung. Ein Rauchmelder im Kanal erkennt den Rauch und schaltet den Federrücklaufantrieb der Klappe ab. Die Feder im Antrieb dreht das Klappenblatt in die geschlossene Stellung. Das geschieht auch, wenn die Spannung ausfällt. Zusätzlich hat der Antrieb in der Regel ein thermisches Auslöseelement für den Fall, dass Hitze vor dem Rauch ankommt.

Die Muster-Lüftungsanlagen-Richtlinie (M-LüAR) verlangt eine Rauchauslösung unter anderem am Ein- und Austritt von Lüftungszentralen. Sie verlangt sie auch in Zuluftanlagen, damit kein Rauch über die Außenluft in das Gebäude gelangt, und in Umluftanlagen, damit Rauch aus der Abluft nicht in die Zuluft gerät. Welche Klappen eines Gebäudes eine Rauchauslösung brauchen, legt das Brandschutzkonzept fest.

Feuerwiderstandsklassen

Was bedeuten K 90 und EI 90 (ve ho i↔o) S?

Die Feuerwiderstandsklasse sagt, wie lange eine Brandschutzklappe Feuer und Rauch aufhält und unter welchen Bedingungen das geprüft wurde. Auf älteren Klappen steht die nationale Klasse nach DIN 4102-6, zum Beispiel K 90. Seit 2013 sind Brandschutzklappen europäisch nach DIN EN 15650 geregelt. Sie tragen das CE-Kennzeichen, eine Leistungserklärung und eine Klasse wie EI 90 (ve ho i↔o) S.

Die Bauordnung fordert keine Klasse, sondern eine Eigenschaft: feuerhemmend, hochfeuerhemmend oder feuerbeständig. Die Tabelle zeigt, welche Klasse zu welcher Anforderung gehört.

Bauaufsichtliche Anforderung DIN 4102-6 DIN EN 15650
feuerhemmend K 30 EI 30 (ve ho i↔o) S
hochfeuerhemmend K 60 EI 60 (ve ho i↔o) S
feuerbeständig K 90 EI 90 (ve ho i↔o) S

Der Buchstabe K nach DIN 4102 steht für Absperrvorrichtungen in Lüftungsleitungen, die Zahl für die Feuerwiderstandsdauer in Minuten. Mehr sagt die Klasse nicht. Die europäische Klasse beschreibt dagegen jede geprüfte Leistung mit einem eigenen Kurzzeichen:

E
Raumabschluss: Flammen und heiße Gase treten nicht durch die geschlossene Klappe.
I
Wärmedämmung: Die dem Brand abgewandte Seite erwärmt sich nur begrenzt.
90
Feuerwiderstandsdauer in Minuten, für die E und I nachgewiesen sind.
ve
Geprüft in vertikaler Einbaulage, also in einer Wand.
ho
Geprüft in horizontaler Einbaulage, also in einer Decke.
i↔o
Die Klappe hält den Brand von beiden Seiten auf. i→o oder i←o gilt nur für eine Richtung.
S
Begrenzte Rauchdurchlässigkeit: Die geschlossene Klappe hält eine festgelegte Leckrate ein.

Vorschriften

Welche Vorschriften verlangen die Instandhaltung?

Eine einzelne Vorschrift für Brandschutzklappen gibt es nicht. Die Pflicht zur Instandhaltung ergibt sich aus Bauordnungsrecht und Arbeitsschutzrecht. Wie geprüft wird, legen der Verwendbarkeitsnachweis und die Angaben des Herstellers fest.

Landesbauordnung
Bauliche Anlagen sind so instand zu halten, dass der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird. Das steht in jeder Landesbauordnung, in den allgemeinen Anforderungen und im Paragrafen zum Brandschutz. Die Nummer des Paragrafen unterscheidet sich je nach Bundesland.
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
Der Arbeitgeber hält die Arbeitsstätte instand und beseitigt festgestellte Mängel unverzüglich. Nach dem Anhang müssen Ablagerungen und Verunreinigungen in raumlufttechnischen Anlagen, die die Gesundheit über die Raumluft gefährden können, umgehend beseitigt werden.
Muster-Lüftungsanlagen-Richtlinie (M-LüAR)
Sie legt fest, wo Lüftungsleitungen durch Brandschutzklappen gesichert werden und welche Klappen eine Rauchauslösung brauchen. Die Länder führen sie als Technische Baubestimmung ein.
Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB)
Sie regelt unter anderem die Auslösetemperatur, die zulässige Einbaulage und die Brandschutzklappen, die nicht unter DIN EN 15650 fallen, etwa in der Abluft gewerblicher Küchen. Nach dem ersten Einbau ist zu prüfen, ob die Klappe ordnungsgemäß schließt.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Nach § 17 wird das Ergebnis einer Prüfung aufgezeichnet: Anlage, Prüfdatum, Art und Grundlage der Prüfung, Prüfumfang, Ergebnis sowie Name und Unterschrift des Prüfers. Die Aufzeichnungen sind während der gesamten Verwendungsdauer aufzubewahren.

Wer diese Pflichten versäumt, riskiert im Schadensfall den Versicherungsschutz und haftet für die Folgen. Die lückenlose Dokumentation jeder Klappe ist deshalb auch der Nachweis gegenüber Behörde, Prüfsachverständigem und Versicherer.

Prüfintervalle

Wie oft muss eine Brandschutzklappe geprüft werden?

Die Zulassungen und Prüfberichte der Hersteller verlangen eine Funktionsprüfung mindestens alle sechs Monate. Ergeben zwei Prüfungen im Abstand von sechs Monaten keine Mängel, dann genügt danach eine Prüfung pro Jahr. Das VDMA-Einheitsblatt 24000 empfiehlt dasselbe und nennt ein Jahr als längsten Abstand.

Vor der ersten Funktionsprüfung steht die Inspektion zur Inbetriebnahme. Sie zeigt, dass die Klappe nach dem Einbau unbeschädigt ist und ordnungsgemäß schließt.

Zeitstrahl: Inspektion zur Inbetriebnahme, nach sechs Monaten die erste Funktionsprüfung, nach weiteren sechs Monaten die zweite, danach eine Funktionsprüfung alle zwölf Monate.
Der jährliche Abstand gilt erst, wenn die erste und die zweite Funktionsprüfung ohne Mängel waren.

Wie es nach einem Mangel in einem späteren Jahr weitergeht, regeln weder Zulassungen noch VDMA-Einheitsblatt ausdrücklich.

Unabhängig davon prüft ein Prüfsachverständiger die Lüftungsanlage samt Brandschutzklappen vor der Inbetriebnahme und danach alle drei Jahre, wenn die Prüfverordnung des Landes das für das Gebäude verlangt. Das betrifft vor allem Sonderbauten wie Versammlungsstätten, Krankenhäuser oder Verkaufsstätten.

Instandhaltung

Was gehört zur Instandhaltung?

DIN 31051 teilt die Instandhaltung in drei Grundmaßnahmen. Jede endet damit, dass das Ergebnis protokolliert wird.

Inspektion
Den Ist-Zustand feststellen: Die Klappe wird ausgelöst, gemessen und geprüft. Die Funktionsprüfung gehört immer dazu. Das Klappenblatt wird geschlossen und wieder geöffnet. Hat die Klappe eine Rauchauslöseeinrichtung, dann wird auch sie über ihren Prüftaster ausgelöst.
Wartung
Den Soll-Zustand erhalten: Klappe reinigen, Dichtungen prüfen, Korrosion beseitigen, Lagerstellen nachschmieren, Verschleißteile vorbeugend tauschen. Die Arbeiten richten sich nach den Vorgaben des Herstellers. Eine Funktionsprüfung schließt die Wartung ab.
Instandsetzung
Den Soll-Zustand wiederherstellen, wenn die Klappe fehlerhaft ist: reparieren, Schmelzlot, Antrieb oder Klappenblatt tauschen, im Einzelfall die ganze Klappe ersetzen. Zulässig sind nur Originalersatzteile. Auch hier folgt am Ende eine Funktionsprüfung.

Das Protokoll hält für jede Klappe fest, was geprüft wurde, welche Mängel es gab und wann sie behoben wurden. Es ist der Instandhaltungsnachweis, den der Prüfsachverständige bei der wiederkehrenden Prüfung sehen will.

Zugänglichkeit

Warum muss eine Brandschutzklappe zugänglich sein?

Seit Einführung der Prüfzeichenpflicht 1974 gilt: Brandschutzklappen werden so eingebaut, dass sie sich ohne Abbau von Anlagenteilen instand halten lassen. Die allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen sagen es deutlich. Für Einbausituationen, in denen man die Klappe nicht leicht von innen besichtigen und reinigen oder von Hand auslösen kann, ist ihre Eignung nicht nachgewiesen.

In der Praxis sitzen Klappen trotzdem hinter geschlossenen Unterdecken, in verkleideten Schächten oder so dicht an anderen Leitungen, dass die Revisionsöffnung nicht zu erreichen ist. Eine Klappe, die niemand prüfen kann, ist ein Mangel der Anlage.

Naheliegend, aber falsch ist es, nachträglich eine Revisionsöffnung in die Klappe zu schneiden. Auch sauber ausgeführt, widerspricht das der Zulassung. Die Klappe verliert damit ihre Zulassung und muss ersetzt werden.

Der Zugang gehört deshalb in das Bauwerk: eine Öffnung in Unterdecke oder Verkleidung, die zu deren Brandschutzanforderung passt. Am günstigsten wird er schon bei der Planung vorgesehen.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet: Fragen von Betreibern zu Brandschutzklappen

Sind Brandschutzklappen wartungsfrei?

Nicht im Sinne des Betriebs. Hersteller nennen Klappe und Federrücklaufantrieb zwar wartungsfrei, gemeint ist aber nur: Sie nutzen sich nicht ab. Die Funktionsprüfung bleibt Pflicht, und die Klappe gehört in die regelmäßige Reinigung der Lüftungsanlage.

Womit darf man eine Brandschutzklappe reinigen?

Mit einem trockenen oder feuchten Tuch. Bei starker Verschmutzung ist ein haushaltsübliches Reinigungsmittel erlaubt. Scheuernde Reinigungsmittel und mechanische Verfahren wie Bürsten sind nicht zulässig, denn sie können Dichtungen und Oberflächen beschädigen.

Welche Auslösetemperatur ist zulässig?

Nach der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) höchstens 72 °C. In der Zuluft von Warmluftlüftungsanlagen sind 95 °C zulässig.

Darf eine Standard-Brandschutzklappe in die Abluft einer gewerblichen Küche?

Nein. Die Abluft einer gewerblichen Küche kann die Klappe chemisch angreifen und fällt deshalb nicht in den Anwendungsbereich der DIN EN 15650. Dort braucht es eine Brandschutzklappe mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung für Küchenabluft.

Welchen Abstand brauchen zwei Brandschutzklappen?

Das legt der Verwendbarkeitsnachweis des Herstellers fest, etwa die Montageanleitung zur Zulassung. Fehlt dort eine Angabe, dann verlangt die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) mindestens 50 mm.

Welche Unterlagen will der Prüfsachverständige sehen?

Unter anderem die Baugenehmigung mit den genehmigten Bauvorlagen, die Verwendbarkeitsnachweise der Klappen, Pläne und Schema der Anlage, Bemessungen, den elektrischen Schaltplan, den Bericht der letzten Prüfung sowie den Errichtungs- und den Instandhaltungsnachweis.

Brandschutzklappen prüfen lassen

Die WALTER GmbH wartet Brandschutzklappen und Kanalrauchmelder zwischen Rhein-Neckar, Pfalz und Nordschwarzwald. Wir prüfen normkonform, dokumentieren jede Klappe einzeln und setzen Mängel direkt vor Ort instand.

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